Townhouses in Amsterdam

Typische Townhouses in Amsterdam

Typische Townhouses in Amsterdam

Ganz Amsterdam scheint ein einziges Townhouse-Gebiet mit Zugang zum Wasser zu sein. Überall findet man diese Giebelhäuser beziehungsweise ehemalige Packhäuser drei bis fünf Etagen hoch. Den Besucher aus Berlin wundert es, dass es in Berlin kaum etwas Ähnliches gibt. Sind doch auch dort genügend Wasserstrassen vorhanden. Diese Häuserzeilen in der größten Stadt der Niederlande sind hier die typische Bauweise am Platz und prägen die Architektur der einst „betuchtesten“ Stadt Europas. Hier lagerten Ende des 17. Jahrhunderts Unmengen an Seide und Gewürzen, die aus Indien eingeschifft wurden. Der Handel wurde überwiegend über den Transport von unzähligen Kanälen abgewickelt, die als Grachten bezeichnet werden. Da Amsterdam, gestützt von Holzpfählen, auf einem Sumpfgebiet entstand und Festland praktisch kaum vorhanden war, war ein Bauen von Kontoren und Handelshäusern auf wenig geschaffene Fläche beschränkt. Dazu kam auch noch die Allgegenwärtigkeit einer starken und zentralisierten Stadtregierung, die zur Hälfte die erfolgreichen Handelsfahrten nach Indien finanzierte. Die damalige Steuerpolitik der Stadt Amsterdam florierte und bescherte volle Kassen, da die Stadtväter Steuern an Hand der bebauten Hausbreite an den Grachten berechneten. Diesem Umstand verdankt Amsterdam sein Stadtbild.

Packhäuser an den Grachten

Packhäuser an den Grachten

Es wurde in die Höhe und in die Länge gebaut. Schmalen Treppenhäusern, die einen Transport zu Einlagerung von sperrigen Möbeln und Transportkisten nicht zuließen, begegneten die Händler mit Flaschenzügen an der Vorderfront. Vom Schiff aus konnte so per Flaschenzug in die einzelnen Etagen durch die Fenster hindurch Ware eingelagert werden. Um zu verhindern, dass sperrige Transportkisten bei Unwetter an die Häuserwand schlagen, wurden die Packhäuser mit nach vorn überstehenden Häuserfronten gebaut. Zur damaligen Zeit wohnten und arbeiteten die Händler unter einem Dach an den Kanälen Amsterdams . Die besten Bauhandwerker der Welt kamen aus dieser hollänischen Stadt.

Holländisches Vorbild für deutsche Townhäuser

Diese ausgebildeten Handwerker benötigte dann Mitte des 18. Jahrhunderts auch Friedrich Wilhelm I. (Soldatenkönig), um seine Garnisonsstadt Potsdam auszubauen. Er lies, ebenfalls auf Sumpfland, 134 Backsteinhäuser im Stile der holländischen Vorbilder zwischen 1733 und 1740 unter Leitung des holländischen Baumeisters Johann Boumann entstehen.

Holländisches Viertel Potsdam

Holländisches Viertel Potsdam


Das Holländische Viertel in Potsdam ist noch heute das bedeutendste Stadtquartier dieser Bauweise außerhalb der Region Hollands im Norden der Niederlande. Runtergekommen zu DDR-Zeiten wurde es nach der Wende wieder saniert und reiht sich ein als Gebiet am Bassinplatz in die zahlreichen historischen Bauten der Stadt Potsdam.

townhouses berlin am wasser

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Viele deutsche Architekten und Entwickler von Stadthäusern der Gegenwart orientieren sich bei der Entwicklung und Konzeption von Stadthäusern in Reihenbauweise am Potsdamer Holländerviertel. Der ungeschulte Betrachter aus Berlin findet allerdings weniger Ähnlichkeit bei heutigen Berliner Townhaus-Baugruppen und vermisst in erster Linie die typischen Dachgiebel. Aber gerade auf die wird zeitbedingt verzichtet, da sich in der Hauptstadtmetropole Penthouses und helle Dachgeschosse im Umfeld immer höher werdender Gebäude zunehmend durchsetzen. Eine Dachterrasse mit Dachgarten verspricht mehr Licht im heutigen Großstadtdschungel. Zusätzlich sind Tiefgaragen gefordert. Aber damit sind diese zwei Abänderungen im Wesentlichen der einzige Unterschied zu den Bauten seit den Jahrhunderten. Und Berlin tut gut daran, sich im Zentrum mit dieser alten Bauweise anzufreunden, um Baulücken und ehemalige sozialistische Brachflächen attraktiv zu erschließen. Townhäuser bringen mehr historisches und kosmopolitisches Flair in die Stadt.

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